Ein Report der Ruhelotsen
Zahlen, Daten & Hintergründe
Der Bestattungsmarkt in Deutschland – transparent und verständlich
Transparenz hilft, Berührungsängste abzubauen
Der Tod ist ein Thema, über das wir oft erst sprechen, wenn wir müssen. Als Ihre Ruhelotsen hier in Buchholz möchten wir das ändern. Wir glauben: Wenn man die Fakten kennt, verliert das Thema oft seinen Schrecken.
Wir haben die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis), der Branchenverbände und der Gesundheitsberichterstattung für Sie ausgewertet. Dieser Report zeigt Ihnen, wie, wann und woran Menschen in Deutschland sterben – und wie groß die Branche eigentlich ist.
Wie viele Menschen sterben in Deutschland?
Lange Zeit lag die Zahl der Sterbefälle in Deutschland unter einer Million. Das hat sich in den letzten Jahren geändert.
Der demografische Wandel
Das liegt am „demografischen Wandel". Die geburtenstarken Jahrgänge (Baby-Boomer) kommen jetzt in ein höheres Alter.
Sterbefälle in den 16 Bundesländern
Hier ist die Übersicht der jährlichen Sterbefälle (Datenbasis: Destatis / Statistische Landesämter, Stand 2023, gerundet):
Detaillierte Tabelle anzeigen
| Platz | Bundesland | Anzahl Verstorbene (ca.) |
|---|---|---|
| 1 | Nordrhein-Westfalen | 226.000 |
| 2 | Bayern | 146.500 |
| 3 | Baden-Württemberg | 120.200 |
| 4 | Niedersachsen | 105.100 |
| 5 | Hessen | 73.000 |
| 6 | Sachsen | 58.100 |
| 7 | Rheinland-Pfalz | 51.300 |
| 8 | Schleswig-Holstein | 39.600 |
| 9 | Berlin | 37.400 |
| 10 | Brandenburg | 36.600 |
| 11 | Sachsen-Anhalt | 35.600 |
| 12 | Thüringen | 31.100 |
| 13 | Mecklenburg-Vorpommern | 24.000 |
| 14 | Hamburg | 19.400 |
| 15 | Saarland | 14.600 |
| 16 | Bremen | 8.500 |
Unser Einzugsgebiet
Wir als Ruhelotsen arbeiten in der Metropolregion Hamburg und Niedersachsen. Zusammengenommen verzeichnen wir in unserem Einzugsgebiet über 124.000 Sterbefälle pro Jahr.
Warum wirken die Zahlen in Berlin, Hamburg und Bremen vergleichsweise niedrig?
Auf den ersten Blick überrascht es: Berlin hat fast so viele Einwohner wie Sachsen (beide rund 4 Millionen), aber in Berlin sterben viel weniger Menschen. Der Grund ist der sogenannte „Stadt-Effekt":
- Junge Bevölkerung: Großstädte wie Hamburg oder Berlin ziehen viele junge Menschen an (Studium, erste Jobs, Start-ups). Dadurch ist der Altersdurchschnitt der Bevölkerung dort deutlich niedriger.
- Struktur auf dem Land: In Flächenländern (wie Sachsen, Thüringen oder dem Saarland) leben prozentual mehr ältere Menschen, da junge Leute oft in die Ballungszentren abwandern.
Einfach gesagt: Wo mehr junge Menschen leben, ist die Sterberate im Verhältnis zur Einwohnerzahl automatisch niedriger.
In welchem Alter sterben wir?
Der Tod ist in Deutschland überwiegend ein Ereignis des hohen Alters.
Die Mehrheit aller Verstorbenen
Woran sterben die Menschen?
Unfälle oder Gewaltverbrechen sind statistisch gesehen extrem selten. Der Tod ist meistens eine natürliche Folge körperlicher Prozesse im Alter.
Die häufigste Ursache
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ca. 34%) sind die häufigste Todesursache, z.B. Herzschwäche. Gefolgt von Krebserkrankungen (ca. 22%), vor allem der Verdauungsorgane und Lunge.
Wann sterben Menschen?
Sterben hat tatsächlich eine „Saison". Die Zahlen verteilen sich nicht gleichmäßig über das Jahr.
Wo sterben wir?
Die meisten Menschen wünschen sich, zu Hause zu sterben. Die Realität sieht oft anders aus:
Der Wandel der Bestattungskultur
Deutschland ist mittlerweile ein Land der Feuerbestattung.
Feuerbestattung (Urne)
Fast 80% entscheiden sich für die Einäscherung
Erdbestattung (Sarg)
Nur noch rund 20% wählen das klassische Sarggrab
Branche & Wirtschaft: Wer kümmert sich?
Bestattung ist nicht nur eine Dienstleistung, sondern auch ein Handwerk mit Tradition und Zukunft.
Nachwuchs mit Sinn
Der Beruf „Bestattungsfachkraft" ist eine anerkannte, 3-jährige Ausbildung. Während viele Handwerksberufe Nachwuchssorgen haben, ist das Interesse hier stabil bis steigend. Junge Menschen suchen wieder vermehrt nach Berufen mit Sinnhaftigkeit.
Mittelständisch geprägt
Die Branche ist mittelständisch geprägt – inhabergeführte Betriebe, die vor Ort verwurzelt sind und persönliche Betreuung bieten.
Flächennutzung: Wie viel Platz braucht der Tod?
Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, sondern oft auch die „grünen Lungen" in Städten und Gemeinden.
Trend Waldbestattung
Immer beliebter werden Waldbestattungen. Diese Flächen werden statistisch oft gesondert erfasst und wachsen kontinuierlich.
Gesetze & Kirche: Tradition im Umbruch
Zwei Säulen haben die Bestattung lange geprägt: Die Kirche und strenge Gesetze. Beides wandelt sich.
Rückgang kirchlicher Bindung
Noch vor wenigen Jahrzehnten war die kirchliche Beisetzung der Standard (über 90%). Das hat sich dramatisch verändert.
- Weniger als die Hälfte: Inzwischen finden weniger als 50% aller Bestattungen mit kirchlicher Begleitung statt.
- Die Alternative: Immer mehr Menschen entscheiden sich für „freie Redner" oder eine weltliche Feier, bei der das Leben des Verstorbenen individuell im Mittelpunkt steht – ohne religiöse Liturgie.
Gesetze und Friedhofszwang
In Deutschland gilt grundsätzlich der sogenannte „Friedhofszwang". Das bedeutet: Die Asche oder der Leichnam muss auf einem dafür genehmigten Platz (Friedhof/Bestattungswald) beigesetzt werden. Die Urne mit nach Hause zu nehmen, ist in Deutschland im Regelfall nicht erlaubt.
Aber es gibt Bewegung: Die Bestattungsgesetze sind Ländersache. Einige Bundesländer wie Bremen, Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein haben Reformen angestoßen, um die Vorgaben leicht zu lockern (z.B. Erleichterungen bei der Umbettung oder – unter sehr strengen Auflagen in Bremen – das Verstreuen von Asche auf Privatgrund).
Niedersachsen und Hamburg halten bisher weitgehend an den bewährten Strukturen fest, um eine würdige Totenruhe für alle sicherzustellen.
Unser Fazit
Die Zahlen zeigen: Der Tod gehört zum Leben und zum Älterwerden dazu. Es gibt keinen Grund, die Augen davor zu verschließen. Je besser wir informiert sind, desto selbstbestimmter können wir vorsorgen – und desto würdevoller können wir Abschied nehmen.