Bestattungskultur

Bestattungskultur in allen Traditionen

Würdevoll. Respektvoll. Interkulturell.

Wissenswertes über Bestattungstraditionen in Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus, Hinduismus und Orthodoxie

Trauer ist universell und doch einzigartig individuell. Viele Menschen schöpfen in schweren Stunden Kraft aus den überlieferten Bräuchen und Zeremonien ihrer religiösen Tradition. Auch jene, die sich nicht als gläubig verstehen, empfinden oft Trost in den jahrhundertealten Ritualen des Abschieds. Begleiten Sie uns auf einer Entdeckungsreise durch die Bestattungskulturen verschiedener Weltreligionen.

Islam

Nach islamischer Tradition wird der Verstorbene zeitnah nach dem Tod von einer gleichgeschlechtlichen Person rituell gewaschen und in weiße Leinentücher eingehüllt.

Die Beisetzung erfolgt nach festgelegten Vorschriften zeitnah und ohne Sarg. Der Leichnam wird auf der rechten Körperseite liegend ins Erdgrab gelegt, wobei das Gesicht in Richtung Mekka zeigen muss – in unseren Breitengraden entspricht dies der südöstlichen Ausrichtung.

Unmittelbar vor der Beisetzung wird ein etwa 10-15-minütiges Totengebet am Friedhof abgehalten. Eine gesonderte Trauerfeier im Vorfeld ist nicht üblich. Muslimische Grabstätten befinden sich entweder auf speziellen islamischen Friedhöfen oder in eigens dafür vorgesehenen Bereichen kommunaler Friedhöfe, wobei die Südost-Ausrichtung gewährleistet sein muss.

Die Grabgestaltung ist traditionell sehr schlicht gehalten, da der Friedhof im Islam primär als Ruhestätte für das Jenseits und weniger als Gedenkort verstanden wird. Die Pflege der Gräber obliegt den Familienangehörigen.

Buddhismus

Im buddhistischen Glauben sind sowohl Erdbestattungen als auch Feuerbestattungen zulässig und werden praktiziert.

Obwohl der Körper im buddhistischen Verständnis lediglich als temporäre Hülle für den Geist betrachtet wird, soll ihm dennoch mit Würde und Respekt begegnet werden. Während der Trauerfeier werden üblicherweise Sutren (Lehrreden Buddhas) rezitiert, dem Verstorbenen gedacht und die Anwesenden zur Reflexion über das eigene Dasein angeregt.

Aufgrund der Vielzahl buddhistischer Strömungen existieren keine einheitlichen Bestattungsrituale. Einige Richtungen praktizieren beispielsweise die Beisetzung in Embryonalstellung, um optimale Bedingungen für die Wiedergeburt zu schaffen. Während manche Gemeinschaften den Abschied als festliche Zeremonie mit Musik und gemeinsamen Mahl begehen, stehen bei anderen die Trauer und das stille Gedenken im Vordergrund.

Buddhistische Grabstätten fügen sich auf deutschen Friedhöfen meist unauffällig ein, da traditionelle Gestaltungselemente die gewohnte Einheitlichkeit des Erscheinungsbildes beeinträchtigen könnten.

Christentum

In den christlichen Konfessionen sind sowohl Erdbestattungen als auch Feuerbestattungen gestattet. Traditionell wird jedoch die Beisetzung im Sarg bevorzugt.

Individuelle Wünsche bei der Bestattungsgestaltung werden von den Kirchen respektiert, sofern diese nicht den christlichen Grundwerten widersprechen. Anonyme Beisetzungen werden jedoch abgelehnt, da sie dem Glauben an die Auferstehung und das ewige Leben entgegenstehen. Die Auferstehung Christi bildet das Fundament der christlichen Bestattungstradition.

Üblicherweise wird vor der Beerdigung ein Trauergottesdienst in einer Kapelle oder Feierhalle zelebriert. Bei Sargsbestattungen erfolgt zusätzlich eine Segnung am offenen Grab. Urnenbeisetzungen werden hingegen meist im kleinen Kreis der Familie ohne geistliche Begleitung durchgeführt – außer bei einer Urnentrauerfeier mit kirchlichem Rahmen.

Die Eucharistiefeier gilt als zentrales Element der christlichen Trauerkultur. Sie wird entweder unmittelbar nach der Beisetzung oder zeitnah in der Kirchengemeinde für den Verstorbenen gefeiert und symbolisiert die Gemeinschaft im Glauben. Typische Grabgestaltungen umfassen ein Kreuz, ein Grablicht sowie Weihwassergefäße als erkennbare Zeichen christlicher Tradition.

Judentum

Die rituelle Reinigung der Verstorbenen, bekannt als Tohora, ist bis heute ein zentraler Bestandteil jüdischer Bestattungskultur.

Anders als bei einfachen hygienischen Waschungen darf die Tohora ausschließlich von Personen durchgeführt werden, die gemäß religiöser Vorschriften dazu berechtigt sind. Nach der Reinigungszeremonie wird der Verstorbene in ein spezielles Totenhemd gekleidet.

Die Beisetzung wird schnellstmöglich durchgeführt. Traditionell erfolgt sie als Erdbestattung in einem einfach gehaltenen Sarg. Modernere Strömungen innerhalb des Judentums erlauben inzwischen auch Feuerbestattungen. Idealerweise findet die Beerdigung auf einem jüdischen Friedhof statt, alternativ auf speziell gekennzeichneten jüdischen Grabfeldern innerhalb kommunaler Friedhöfe.

Ein Rabbiner leitet die Trauerfeier vor der Beisetzung. Neben Psalmen und traditionellen Gebeten können auch persönliche Texte oder Gedichte des Verstorbenen eingebunden werden. Nach der Rezitation des Kaddisch, des traditionellen Totengebets, beteiligen sich die Trauergäste am Zuschütten des Grabes – eine Geste des Respekts. Beim Verlassen des Friedhofs reinigen sich die Angehörigen die Hände mit Wasser, was symbolisch die Rückkehr vom Tod ins Leben darstellt.

Hinduismus

Die hinduistische Lehre beschreibt den menschlichen Körper als Zusammenspiel der fünf Elemente: Feuer, Wasser, Luft, Erde und Raum.

Neben diesem physischen Körper existiert nach hinduistischer Vorstellung der „feinstoffliche Körper", der Gedanken und Emotionen enthält und das ewige Selbst – das Atman – umhüllt und bewahrt. Durch die Kremation wird dieser feinstoffliche Körper vom physischen Körper gelöst.

Am dritten Tag nach der Einäscherung wird die Asche traditionell im heiligen Fluss Ganges oder im Meer beigesetzt. Mit diesem Ritual endet auch die Existenz des feinstofflichen Körpers und das Atman wird vollständig befreit.

Während in Indien die Kremation an speziellen Verbrennungsplätzen in Flussnähe im Freien stattfindet, erfolgt sie in Deutschland in Krematorien. Opferbeigaben, wie sie in Indien üblich sind, werden hierzulande meist weggelassen. Viele in Deutschland verstorbene Hindus lassen sich nach Indien überführen, um dort eine Bestattung nach vollständiger Tradition zu ermöglichen.

Orthodoxie

Der orthodoxe Trauergottesdienst ist in seinem Kern eine Feier der Auferstehung und des ewigen Lebens in Christus.

Die gesungenen Hymnen, das Glaubensbekenntnis und die Hoffnungsgebete fokussieren sich auf das Leben in Christus – das ewige Leben, welches als Geschenk für die irdische Reise gewährt wird. Gleichzeitig drücken sie Dankbarkeit für die Erlösung vom irdischen Dasein und den Übergang in Gottes Ewigkeit aus.

Ein zentrales Element ist die offene Aufbahrung des Verstorbenen während des Gottesdienstes. Der Verstorbene wird buchstäblich in die Mitte der Gemeinde gestellt, mit Weihwasser gesegnet, während der Priester das Absolutionsgebet zur Sündenvergebung spricht.

Der persönliche Abschiedsgruß oder -kuss verdeutlicht ein letztes Mal die Endgültigkeit des Todes und ermöglicht eine individuelle Verabschiedung. Anschließend wird der Verstorbene unter Begleitung von Kerzen und liturgischen Gesängen zu seiner letzten Ruhestätte geleitet.